Informationsabend „Artenschutz“ – eine Zusammenfassung

Am Mittwoch, den 27.März 2019, lud die Bürgerinitiative Zukunft-Samerberg mittlerweile zum siebten Mal ins Gasthof-Hotel Zur Post zu ihrer Vortragsreihe ein. Das Thema: „Volksbegehren Artenvielfalt gewonnen-was jetzt?“

Als Referenten konnten Sigi Hagl, Landeschefin der Grünen, Fachgebiet Landwirtschaft und Ernährung, sowie Josef Stein, Gartenfachberater aus Hirnsberg, gewonnen werden.

Eingangs hob Sigi Hagl hervor, dass die Landwirte nicht nur Lebensmittel-produzenten seien, sondern auch eine immense Verantwortung der Gesellschaft gegenüber haben und eine wichtige öffentliche Leistung erbringen, nämlich den Erhalt und die Pflege unserer einzigartigen Kulturlandschaft. „Dafür müssen sie aber auch angemessen honoriert und gefördert werden“.

Mit der aktuellen Agrarpolitik mit dem Motto „Wachse oder weiche“, gibt es nur noch Verlierer (Artenvielfalt, Landwirte, Verbraucher, Mutter Erde…). Um aus dieser Sack-gasse zu gelangen, forderte Hagl eine sofortige Agrarwende mit Abkehr von der exportorientierten Landwirtschaft, welche zu einem Sterben der naturnahen, kleinstrukturierten Landwirtschaft geführt habe.

Die politischen Leitplanken müssen geändert werden, das System der Freiwilligkeit habe sich nicht bewährt. Die Agrarfabriken sprießen aus dem Boden und die Agrar-wüsten führen zu einem Artensterben, das seit dem Aussterben der Dinosaurier seines gleichen suche. Die Ursachen seien seit Jahrzehnten bekannt, die Politik habe aber nicht adäquat reagiert.

Verbindliche Vorgaben müssen jetzt in Zusammenarbeit mit den Fachleuten und Vertretern der Bauernverbände, Bund Naturschutz etc. erarbeitet werden. Hagl forderte eine Abschaffung der Flächenprämie, welche vor allem die industriellen Agrarfabriken fördere. Eine Förderung der kleinstrukturierten, extensiven, konventionellen – im Idealfall ökologischen – Landwirtschaft, welche das Tier- und Gemeinwohl zum Ziel habe, könne die aktuelle Fehlentwicklung korrigieren. Ein weiterer Flächenverbrauch, Zerschneidung von Rückzugsräumen etc. müsse dringend verhindert werden. Das gelingt aber nur, wenn wir die Landwirte mit ins Boot holen.

„Die aktuell laufenden runden Tische in der Landesregierung seien äußerst konstruktiv, am 14. April wissen wir mehr“ wurde von Hagl in Aussicht gestellt.

 

Gartenfachberater Josef Stein zeigte zu Beginn seines Vortrags die Artenvielfalt der Almwiesen im angrenzenden Tirol, welche vor allem an den trockenen und mageren Südhängen zum Tragen kommt. Die Hummeln und Bienen sind Alleskönner bzw. Allesverwerter, wohingegen das Pfauenauge und der Bläuling als Artenvielfalt-indikatoren auf spezielle Wirtspflanzen angewiesen seien. Aus diesem Grund sollte jeder in seinem Hausgarten neben den üblichen Kulturpflanzen aus den Baumärkten auch Wildarten und Wildkräuter wie z.B. die Brennessel für diese Spezialisten wachsen lassen.

Die hiesigen Streuobstgärten seien die idealen Lebensräume, wobei man die für die Artenvielfalt so wichtige Blütezeit durch Hinzunahme von heimischen Sträuchern und Wildarten von Ende Februar bis Juni ausdehnen könne.

Im Anschluß stellte Stein noch konkrete Projekte von Blühwiesen auf kommunaler Ebene, sowie die Möglichkeit von Grasdächern vor. Dabei favorisierte er die mehr-jährige, nachhaltige Blühwiese gegenüber der einjährigen, auch wenn sich der Blüherfolg erst im zweiten Jahr zeige. Jeder einzelne und insbesondere die Kommunen seien neben den Landwirten gefordert, ihren Beitrag zur Artenvielfalt beizutragen.

Im Anschluss an die beiden Vorträge stellte die Bürgerinitiative Zukunft Samerberg den Entwurf eines Antrags an die Gemeinde Samerberg zum Erhalt und zur Förderung der Artenvielfalt in der Kommune vor.

Hier wurden Vorschläge unterbreitet, wie die Gemeinde ihren Beitrag zum Arten-schutz in konkrete Maßnahmen umsetzen kann beispielgebend und als Vorbild auch für Gemeindebürger im privaten Bereich:

Im Mittelpunkt steht dabei, dass die Gemeinde, und nicht nur die Bauern, in die Pflicht genommen wird. Dafür sollen Blühstreifen, Blühwiesen, naturnahe Hecken mit gebietstypischen Sträuchern und Heckenbäumen und Streuobstwiesen mit regionaltypischen Hochstammobstbäumen angelegt werden.

Sinn und Ziel dieses Antrags ist auch das allgemeine Bewusstsein für den Artenschutz zu entwickeln.

Johannes Stuffer als Landwirt regte in diesem Zusammenhang an das gesamte gemeindliche Wasserleitungsversorgungsnetz zu überprüfen, da sich verstärkt durch Leckagen Wasserverluste abzeichnen.

 

Klaus Kubitza vermisst Information durch die Gemeinde zum Stand der Trinkwasserqualität. Gewünscht sind ein breites Monitoring und Transparenz über den Zustand der natürlichen Ressourcen in unserer Gemeinde.

Christiane Mayer die Biologin warb um die Mitgliedschaft beim Landschaftspflegeverband, der u.a. die Landwirte bei der Bewirtschaftung der Filzenflächen berät. Auch Privatpersonen mit einem Jahresmitgliedsbeitrag von nur 25.-€ stärken den Verband.

Der Vortragsabend endete in einer angeregten Diskussion der Beteiligten.

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